Auch komplett verwirrt, durch die all zu zahlreichen Ernährungsratgeber?

Was mussten wir in den letzten Jahren nicht alles lesen.

 

-        Erst hiess es, Fette sind böse.

-        Dann hiess es, Kohlenhydrate sind böse.

-        Eiweiss kommt im Allgemeinen nicht wesentlich besser weg.

-        Dann sollten mal Kalorien zählen, dann Punkte, dann gar nichts.

-        Wir sollten Leben wie in der Steinzeit. Oder doch lieber vegan?

 

Auch einzelne Lebensmittel sind immer wieder in der Diskussion. Sind Eier eigentlich gut oder schlecht fürs Cholesterin? Wie steht es um Soja? Hülsenfrüchte? Milchprodukte?

 

Je mehr Bücher Sie lesen, desto eher haben Sie das Gefühl, gar nichts mehr essen zu dürfen. Wenn Sie 50 Experten Fragen würden, was ist gesunde Ernährung, erhalten Sie vermutlich 60 Antworten darauf. Also was ist denn jetzt gesunde Ernährung? Und was vielleicht noch wichtiger ist, mit welcher gesunden Ernährung kann ich abnehmen und mein Gewicht halten?

 

Dieses eBook wird die Verwirrung, rund um die Frage der gesunden Ernährung, hoffentlich erhellen.

 

Der Grund für all diese verwirrenden Aussagen ist, sie enthalten fast alle etwas Wahres. Die Autoren sind überzeugt von Ihrer Diät, denn Ihnen hat Sie offensichtlich geholfen.

 

Es gibt kaum eine Diät, die nicht funktioniert. Jedenfalls für eine gewisse Zeit. Oder für eine ganz spezielle Gruppe von Menschen. Bei anderen funktioniert dieselbe Diät längerfristig überhaupt nicht.

 

Es gibt Menschen, die ausgesprochen gut auf Kohlenhydrate reagieren. Andere haben damit Probleme. Es gibt Menschen, die vertragen kein Eiweiss. Andere haben kein Problem damit. Und so weiter.

 

Es gibt aber ein paar einfache Grundregeln, an die man sich halten kann. Diese funktionieren bei jedem. Ich will nicht ausschliessen, dass es da Ausnahmen geben könnte. Aber lassen Sie es mich gerne wissen, wenn Sie so ein Ausnahmemensch sind. Lassen Sie uns starten.

Wir leben nicht Artgerecht

Falls Sie ein erwachsener, schlanker und kerngesunder Mensch sind, dann erst einmal herzlichen Glückwunsch. Sie sind in einem Land der westlichen Industrienationen, eine Minderheit.

 

Dieses Buch ist all denjenigen Menschen gewidmet, die wie ich es war, eben nicht mehr schlank und rank sind. 2014 wog ich noch knapp 135 Kilo, hatte Diabetes eine ganze Menge an Krankheiten und musste an Krücken laufen.

 

Da der Titel des Buches ja ist, Abnehmen und gesünder leben, hilft es vor allem denjenigen unter uns, die mit Übergewicht kämpfen. Sie dürfen aber auch gerne weiterlesen, wenn Sie nicht mit diesem Problem kämpfen.

 

Heute wiege ich noch ein paar Kilo über meinem Normalgewicht. Aber deutlich unter hundert Kilo. Für mich ist das, da ich nun eh schon bald 50 Lenze zähle, soweit aber OK.

 

Es ist normal, im besten Alter etwas mehr Gewicht zu haben als in der Jugend. Das Gewicht halte ich nun seit knapp 4 Jahren. Ich habe kein Diabetes mehr, meine rheumatoide Arthritis ist weg. Meine Krücken konnte ich einmotten. Selbst eine Psoriasis, an sich eine Hautkrankheit, verschwand komplett.

 

Die meisten Menschen in unserer westlichen Welt, ernähren sich mit dem, was man als westliche Diät, oder anders gesagt die westliche Ernährung bezeichnet. Dabei ist es vermutlich die übergewichtigste Diät der Welt. Das war bei mir nicht anders.

 

Diese Ernährung zeichnet Folgendes aus:

 

1.) Eine überwiegend Kohlenhydrate betonte Ernährung um etwa 50 % der gesamten aufgenommenen Nahrung. Darüber hinaus sind die verwandten Kohlenhydrate so verarbeitet, dass Diese schnell verstoffwechselt werden können.

 

2.) Die Nahrung ist relativ Ballaststoffarm. In der westlichen Welt beträgt der Anteil der Ballaststoffe in der Nahrung gerade mal 15 %. In anderen Teilen der Welt sind diese Werte bedeutend höher.

 

2.) Unsere Nahrung kennzeichnet ebenfalls ein hoher Grad an

industrieller Verarbeitung. Schnell, bequem und haltbar soll es sein.

 

3.) Industriell produzierte Speisen beinhalten fast immer Zusätze von Zuckern, Geschmacksverstärkern, Haltbarmachern, zugegebenes Salz und Aromen. Klar, schmecken muss es ja auch noch.

 

Diese Form der Nahrung war bis vor sehr kurzer Zeit für den Menschen nicht verfügbar.

 

Ich spreche da nicht einmal von steinzeitlichen Menschen oder ähnliches. Ich spreche hier gerade mal von drei bis vier Generationen. In den letzten 60 bis 80 Jahren wurde unser Essen radikal anders.

 

Essen wurde an unsere hektische Umwelt angepasst. Mit dem steigenden Wohlstand der westlichen Welt nach 1960 und den ebenso immer steigenden Anforderungen an unseren Alltag, hatten wir immer weniger Zeit für das Einkaufen, Vorbereiten und Kochen.

 

Essen soll heute richtige Wunder vollbringen. Es soll schnell zu besorgen und zu kochen sein. Beispielsweise können Sie heute mit der Mikrowelle ein ganzes Menü in nur 5 Minuten erstellen. Oder Sie giessen einfach nur heisses Wasser auf ein Produkt und rühren mehrfach um, fertig.

 

Dafür benötigen Sie kaum Zeit, um die Zutaten zu kaufen, denn es ist ja bereit alles im Produkt. Anders gesagt kaufen Sie heute nicht mehr Kartoffeln, Milch, Salz, Kräuter, Zwiebeln, kochen und zerstampfen die Feldfrüchte mühsam. Eben nur noch heisses Wasser darauf, fertig.

 

Und sogar das geht schneller. Eine recht berühmte Fastfood Kette, hat in Ihrem Regelwerk stehen, das ein Besuch am Auto-Schnellschalter, dem sogenannten Drive-In, maximal 35 Sekunden dauern darf. Nach dieser Zeit hat der Kunde das Recht sich, über die unangemessene Wartezeit auf sein Essen, zu beschweren. Vermutlich wird der Kunde dann irgendeine Form von Entschuldigung erhalten. Beispielsweise einen Gutschein.

 

35 Sekunden nehmen wir uns also noch, um auf Essen zu warten? Die notwendige Bewegung zur Quelle des Essens übernimmt überdies auch noch das Auto.

 

Die Zeit, in der eine Hausfrau stundenlang in der Küche etwas kochte, sind wohl vorbei.

 

Ebenso soll Essen möglichst lange haltbar sein. Denn wir wollen ja nicht jeden Tag einkaufen gehen. Dafür benötigt ein Produkt viel Chemie, um nicht schnell zu verderben. Es kommt, meist in einer aufwendigen Verpackung daher, die es vor Licht, Luft und Hitze schützt. Also steckt es in mehreren Plastik-Hüllen, in Dosen oder im Glas. Oder das Produkt kommt aus dem Tiefkühler.

 

Und natürlich möchten wir, dass es uns immer besser schmeckt, oder?

 

Eigentlich möchte die Industrie, dass uns Ihre Produkte besser schmecken als die Produkte der Konkurrenz. Denn der Markt ist hart umkämpft und die Chemiker der Nahrungsmittel-Giganten sind ständig am Verbessern des Geschmacks, des Geruchs oder der Konsistenz eines Produktes. Dabei müssen Produkte immer intensiver schmecken. Dafür gibt es ein ganzes Heer an Geschmacksverstärkern und Aromen.

 

Designer verbessern Verpackungen um uns alleine durch Form, Farbe und den Ton einer Verpackung Hunger auf das Produkt zu machen. Wussten Sie, das eine Chips Tüte nur deshalb knistert, weil Knistern in uns Hunger weckt?

 

Und dann gibt es noch eine gewaltige Werbeindustrie, die uns das Produkt anpreist.

 

Unser Essen ist eine ziemliche Wissenschaft geworden. Manch ein Rezept wird da strenger gehütet als unser Geld in einer Bank.

 

Der menschliche Körper kann sich sehr gut auf Umweltveränderungen anpassen. Das hat den Menschen durch manche Eiszeit gebracht. Nur, solche Veränderungen benötigen mehrere zehntausend Jahre. Man kann sich also leicht denken, dass unser Körper mit moderner, hoch-industrieller Nahrung seine liebe Mühe hat.

 

Wir haben es mit einem Phänomen zu tun. Wie gesagt, Nahrung muss heute immer intensiver schmecken, um noch verkauft zu werden. Wenn die Tüte Kartoffelchips vom Konkurrent besser schmeckt, bleibt der Hersteller auf seinem Produkt sitzen.

 

Aber auch sonst muss die Nahrung immer höheren Ansprüchen genügen. Hier wäre die Haltbarkeit und einfache Handhabung sowie eine kurze Dauer der Zubereitung zu nennen.

 

Dabei trat aber im Laufe der Verbesserung unserer Nahrung ein wichtiger Punkt immer mehr in den Hintergrund. Die Funktionalität der Nahrung. Der Punkt, dass uns die Nahrung auch körperlich gesund erhält.

 

Ich stelle mir das ähnlich wie bei einem Handy vor. Ein Handy ermöglicht Ihnen heute ganz viele Dinge. Sie können Musik und Videos darauf schauen, Ihre Nachrichten lesen oder sogar Tagebücher fremder Personen einsehen (sogenannte Blogs). Auch Termine managen ist möglich oder Videokonferenzen machen. Sie könnten es als Navi für Ihr Auto gebrauchen. Kurzum, ein Handy ist inzwischen ein kleiner Mini-Computer in der Hosentasche.

 

Nun stellen Sie sich vor, die zentrale Aufgabe des Gerätes, das Telefonieren, tritt immer mehr in den Hintergrund. Bis man irgendwann gar nicht mehr mit dem Handy telefonieren kann.

 

Bei einem Handy momentan doch undenkbar, wirklich? Ich habe zuhause ein Handy, ohne SIM Karte zum Telefonieren. Als kleines Helferlein. Quasi mein privates Notizbuch und meine Musik ist auch auf dem Gerät. So undenkbar ist das also nicht.

 

Mit unserer Nahrung verhält es sich ganz ähnlich. Irgendwann ist eine Grenze erreicht, bei der wir Dinge essen, für die unser Körper nicht vorgesehen ist. Wir ernähren uns dann nicht mehr artgerecht.

 

Ja sicher, wir werden zu geschüttet mit Botschaften, wie gesund und positiv ein Produkt sein soll. Die Werbeindustrie weiss, wenn man eine Botschaft nur oft genug wiederholt, glauben die Leute das auch. Doch stimmt das denn auch, wenn man etwas genauer hinterfragt?

 

Was genau ist denn das Gute aus einem viertel Liter Milch?

Was macht ein kleines Steak denn so wertvoll?

 

Manche Werbebotschaft begreifen wir als sehr positiv, obwohl die Aussage an sich, ja gar nichts in der Richtung aussagt.

 

Die Schokolade SCHMECKT nur Joghurt-leicht?

Hat das irgendeine Auswirkung auf unser Gewicht?

 

Und hinterfragen Sie doch mal, warum sind eigentlich Flocken aus getrockneter Mais Pampe und Zucker gesund?

 

Die beworbene Botschaft muss nicht einmal eine wirkliche Information mit sich bringen. Es reicht ein Gefühl zu vermitteln.

 

Warum macht der Brot-Aufstrich mit ganz viel Zucker und Palmöl denn meinen Tag?

 

Sicher liegt das an der glücklichen Familie, die da gerade am Frühstückstisch sitzt. Sieht unsere Realität am Morgen denn genauso aus oder ist da nicht eher der Wunsch der Vater des Gedankens?

 

Ein anderer Trick ist, die Botschaft muss einfach nur kompliziert genug klingen. Wir nehmen dann an, es wäre ein schlauer Mensch hinter der Botschaft, der es gut mit uns meint.

 

Kennen Sie die Auswirkung des Lactobacillus Casei auf Ihren Darm, wenn Sie einen der ziemlich überteuerten, mit Zucker angereicherten Joghurtdrinks zu sich nehmen?

 

Die extrem aggressive Magensäure in Ihrem Magen tötet zwar diese Milchsäure Bakterien, bevor Sie überhaupt dort ankommen, wo Sie wirken sollen, in Ihren Dickdarm. Aber es klingt sehr schlau und ist inzwischen ein Millionen-Geschäft.

 

Ich könnte noch länger weiter machen. Ich mache es kurz: Glauben Sie nichts, was Sie nicht selbst herausgefunden haben. Das Resultat aus solch blindem Verbraucher-Glauben ist nicht selten Übergewicht und eine Fülle an Zivilisationskrankheiten.

 

Zur Frage, was essen, kommt auch noch die Frage wie viel und wann sollten wir essen. Ist der Mensch tatsächlich so schlecht konstruiert, das eine Nahrungsabstinenz von einigen Stunden sogleich ins Chaos führt?

 

Das möchten uns inzwischen ja viele unserer Ernährungsrichtlinien weiss machen. Dazu kommen wir jetzt.