Vorwort

 

Ich bin ein Esser. Kein „Gourmet“. Also niemand, der sich an einem Häufchen Etwas auf einem übergrossen, aber dafür aufwendig verzierten Teller entzückt und ausruft: „Oh, wie übersichtlich“. Oder der mit der Kollegin aus der Buchhaltung eine einzelne Praline teilt. Eher schon ein „Gourmand“. Ein Genuss-Esser, ein Leckermäulchen, ein Vielfrass. Ich gebe das offen zu.

Nun, ich kenne eine ganze Menge Ausreden für diesen Zustand.

Die Gene sind es. Ganz klar, die Gene müssen es sein. Denn Studien mit Adoptivkindern haben gezeigt, dass Adoptivkinder von übergewichtigen Eltern auch dann übergewichtig werden, wenn die Adoptiveltern schlank unterwegs sind.

 

Mir wurde das Essen so anerzogen. Meine Mutter hat grossartig gekocht. Es gab immer zünftige deutsche Hausmannskost. Viel Fleisch, viele Nudeln, Knödel, tolle Saucen, morgens Marmeladen-Brot, abends entweder Reste oder auch Brote. Salat und Gemüse fristeten dagegen ein Randdasein als kleiner, oft verschmähter Klecks auf dem Tellerrand. Mein Vater war übergewichtig. Meine Mutter ist es auch.

Die Muttermilch ist schuld daran. Studien konnten ebenfalls nachweisen, dass sich die Vorliebe für Gemüse und Salat bereits im Mutterleib, später mit der Muttermilch und spätestens mit der ersten Nahrung entwickelt. Je nachdem, was die Mutter so alles zu sich nimmt. Verschmähen Schwangere Gemüse jeder Art, haben die Kinder meist auch Schwierigkeiten damit.

 

Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Vorliebe für das Viel-Essen von einem Herzfehler herrührt, der dafür sorgte, dass ich noch als siebenjähriges Kind extrem dünn und gebrechlich war. Dieser Herzfehler, bei dem sich altes Blut mit neuem Blut mischte und den Stoffwechsel durcheinanderbrachte, ist ganz bestimmt ein Grund für meinen antrainierten Überlebensinstinkt, alles in grossen Mengen zu essen, damit wenigstens ein paar Kalorien meinen Stoffwechsel erreichen.

 

Mit 7 Jahren wurde der Fehler gefunden und von grossartigen Kinderärzten in Basel operativ beseitigt. Ab diesem Zeitpunkt war ich schlagartig extrem übergewichtig. Ja, es gab ein, für meinen Geschmack viel zu spätes, Happy End. Heute bin ich zwar immer noch nicht total schlank und rank, aber auch nicht mehr moppelig. Einfach normal halt. Doch ich wünschte mir, das Geheimnis dieses Erfolges etwa 25 Jahre früher gefunden zu haben. Es hätte mir einige ätzende Jahre in der Schule und als Teenager erspart.

 

Dann sind da natürlich noch die starken Knochen. Übergewichtige geben ja oft an, sehr starke Knochen zu haben, die dann entsprechend viel wiegen.

 

Und es ist bestimmt auch, das meine ich nicht ironisch, das ganze Fertigfutter der Lebensmittelhersteller. Essen voller Geschmacksverstärker, Zucker und Aromen, welche unseren Hang, viel zu essen, fleissig befeuern. Schliesslich sollen wir ja möglichst viel konsumieren.

 

Sie merken schon, Ausreden für eine spezielle Lebenssituation gibt es einfach immer. Es müssen nicht einmal Ausreden sein, manchmal zwingen uns die äusseren Umstände dazu, einfach zu sein, wie wir nun mal sind. Ein Mensch, der absichtlich ständig hungrig und übergewichtig sein möchte, ist mir jedenfalls noch nicht begegnet. Es gibt solche Menschen, ich weiss das. Im Amerikanischen gibt es das Phänomen des „Feeding“, oder auf Deutsch: das Füttern. Eine Art von Fetisch, im Prinzip aber eine Ess-Störung. Menschen, die nur glücklich sind, wenn sie extrem übergewichtig sind und sich dann dadurch sexy finden. Mir persönlich ist aber noch keiner begegnet. Und ich vermute, das ist auch gut so.

 

Was immer der Grund ist, warum Sie dieses Buch öffnen. Sie haben sich vermutlich in eine nicht ganz angenehme Situation gefuttert. Sie haben ständig Hunger und können sich kaum bremsen. Allen Lesern, bei denen das nicht der Fall ist, sei das Folgende gesagt: Sie Glückspilz. Sie kennen doch bestimmt jemanden, dem dieses Buch helfen kann. Tun Sie etwas Gutes, seien Sie ein richtig toller Freund, Bekannter oder Kollege. Empfehlen Sie es weiter. Natürlich nur, wenn Sie es gut finden.

 

Für die Hungrigen unter uns gilt: Es geht nicht im Geringsten darum, Sie als Schuldigen für irgendetwas an die Wand zu stellen. Ebenso verdammen wir weder die Gene noch den sozialen Hintergrund. Und Ihre arme stillende Mutter bekommt auch keine Vorwürfe zu hören. Denn was immer Ihre Vorgeschichte ist, Sie finden Ihren Hunger äusserst unangenehm und genau deshalb tun wir jetzt etwas dagegen.

Der Feind im Kopf

denken Sie gerade an Ihre nächste Mahlzeit?

 

Eigentlich ist es doch gemein. Kaum haben wir etwas gegessen, denken wir schon wieder an die nächste Mahlzeit. In unserem Leben dreht sich das Thema „Essen“ ständig im Kopf herum. Wir haben Mühe, uns zu entscheiden. Wir sind hin- und hergerissen in unseren Entscheidungen. Was soll ich essen? Was will ich essen? Was darf ich eigentlich noch essen? Passt es in meinen Diätplan? Wie viele Punkte hat das? Wie soll ich es kochen? Was muss ich dafür einkaufen? Wann habe ich Zeit zum Einkaufen? Oder doch eher was Schnelles mit Fastfood? Ist mein Essen eigentlich gesund oder nicht?

 

Wäre es nicht toll, wenn man diesen permanenten Zwang, sich alle paar Stunden mit dem Thema Essen zu beschäftigen, endlich abschalten könnte? Klick. Einfach so? Ich will Ihre Geduld nicht über Gebühr strapazieren. Ja, genau das ist möglich!

 

Bevor wir allerdings zur Lösung des Problems eines andauernden, unstillbaren Hungers kommen, muss etwas Aufklärung betrieben werden.

  • Wie entsteht Hunger?

  • Wann entsteht Hunger?

  • Wie komme ich aus dem Zwang, immer zu essen, heraus?

  • Wie kann ich, ohne zu hungern, erfolgreich mein Gewicht reduzieren?

 

Das Verstehen des eigenen Körpers ist beim Kampf gegen Hunger, und damit einhergehend den möglicherweise unerwünschten Pfunden, sehr wichtig.